Sizilien, der Ätna und die Liparischen Inseln (2000)

Viele Touristen werden bei diesen Zielen traurig lächeln. Sizilien gibt es nicht billig, aber doch preiswert. Auch wir rechneten und buchten im Jahre 2000 erstmals über ein Reisebüro. Unser Hotel "Nike" kostete für zwei Wochen in Halbpension pro Person 1379 DM ab Berlin-Tegel. Es ist keine Bettenburg, hatte eine akzeptable Bedienung und liegt 20 Meter von der eigenen Strandanlage entfernt. Den Ätnablick und einen Abend mit guter Folklore sowie Livemusik an der Bar eingeschlossen. Wer die mediterrane Küche kennen lernen möchte, ist dort abends mit vier Wahlgerichten gut beraten. Günstiger geht es wohl kaum.

Die größte Insel des Mittelmeers ist ein landschaftliches und historisches Kleinod. Es gibt laut Reiseführer dreimal mehr Pflanzenarten als auf Kreta, richtig subtropisch. Trotz des vulkanischen Grundcharakters oder gerade deshalb gleicht Sizilien in weiten Teilen einem botanischen Garten. Bemerkenswert sind die letzten Papyrusvorkommen außerhalb Ägyptens, die hier und auch auf Stromboli bis zu 4 Meter hohe Wälder bilden. Die weitgeschwungenen Sandstrände vor bizarren Felskulissen aus Lavagestein, das sich in vulkanischen Klippen bis ins Meer erstreckt, bilden einen exotischen Kontrast. Wenn der Ätna mit seiner ständigen Rauchfahne den Hintergrund hinter der Bühne des Teatro Greco in Taormina, dem Nachbarort, bildet, ist das Idyll ziemlich perfekt. Auf der Spitze der Halbinsel im Hintergrund des Fotos befindet sich unser Hotel.

Taormina wurde nicht umsonst als das Winterquartier der europäischen Monarchien geschätzt. Mir war Ende September als Reisezeitpunkt gerade recht. Der Schirokko aus Afrika bescherte uns in der ersten Woche trotzdem bis zu 35° C im Schatten, in der zweiten ging es auf 25 bis 28 tagsüber und 18° C nachts herunter. Für mich ideal. Die Wassertemperatur des Meeres betrug ständig angenehme 23° C; die Klarheit ist längenweit über jeden Berliner Vergleich erhaben. Der Eibsee unter der Zugspitze kommt noch in Betracht.
Historische Orte gibt es allenthalben. Jede große Stadt und die Reiseführer sind voll davon. Zufällig hatte ich ein kleines Hotel in Giardini-Naxos gewählt, der ersten griechischen Siedlung auf Sizilien. Nur wenige hundert Meter entfernt existiert eine hektargroße archäologische Zone mit einem kleinen Museum. Wir buchten noch einen empfehlenswerten Busausflug mit Führung nach Syrakus.

Den Ätna hatten wir zu diesem Zeitpunkt schon, für Palermo und die Südküste war keine Zeit mehr. Aber die Alcántaraschlucht besuchten wir noch per Bus. Auf 400 m Länge wartet sie mit einer Breite von weniger als zehn Metern und bis zu 50 m hohen Basaltwänden auf.

Nie von Äolischen Inseln gehört? Äolos war der Gott des Windes. Es sind die Liparischen Inseln, die von Sizilien aus günstig zu besuchen sind. Wer mehr als zwei Wochen weilt, kann per Autofähre reisen und irgendwo, vielleicht auf Lipari, übernachten. Sonst ist trotz des doppelten Preises unbedingt das Tragflächenboot zu empfehlen (ca. 70 DM). Von Milazzo an der NO-Seite der Insel hüpft das Schnellboot in vier Stunden von Insel zu Insel, bis sich der Kegel des Stromboli am Horizont aus dem Dunst herausschält. Seit Jahrtausenden bildete seine Rauchfahne und seine Eruptionen bei Nacht bis zur Ablösung durch GPS ein markantes Zeichen für alle Seefahrer. Immerhin erhebt er sich von Null auf 924 Meter.


Der Ätna

Er ist Europas größter Vulkan. Seine absolute Höhe ist nicht feststellbar. Im Schnitt gibt es jährlich drei größere Ausbrüche, die sie ständig verändern. Leider waren wir 14 Tage zu früh am Berg. Diese Regelmäßigkeit zeichnet relativ harmlose Vulkane aus. Reiseführer geben den Gipfel mit 3340 m als Durchschnitt an.

Wir waren spät gestartet. Der Autoverleiher hatte den kleinen Fiat Punto erst gegen 9.30 Uhr gebracht. Danach verfuhr ich mich auf der Südseite auch noch einmal trotz der sonst guten Beschilderung. Die Landschaft verleitete immer wieder zu Fotoaufnahmen unterwegs. Erst um die Mittagszeit kamen wir am Parkplatz der Talstation auf etwa 1900 m an. Trotz der 170.000 Lire für die Seilbahnfahrt auf 2608 m und zurück war es einfach zu spät, um noch die letzte Talfahrt der Seilbahn zu erreichen. Wir ahnten es schon vorher und liefen tapfer durch die endlosen Lavafelder. Während auf der SO-Seite eine leichte Kletterei erforderlich war, die ich wegen Luftproblemen meiden wollte, kämpfte ich auf der SW-Seite einen endlosen Kampf mit einer rotbraunen Schuttrutsche.


Karin hatte keine Probleme und zog mich optisch hoch. Der Blick auf die in unterschiedlichen Farben rauchenden Krater war äußerst beeindruckend, zuerst jedoch auch der gleichmäßig böige kalte Sturm aus Westen. Ich schätzte ihn auf 80 km/h. Nach einem Imbiss im großen Krater durchfuhr mich ein tiefes Erschrecken. Wie wäre es, wenn wir uns langsam mit giftigen Gasen anreichern würden? Lieber wieder in den Sturm als in der Falle bleiben!

Unser Abstieg einschließlich der Länge der Seilbahn betrug vom Gipfel etwa 1400 Höhenmeter. Mein linkes Knie tat mir schon vorher eine Weile weh.

Obwohl ich nicht wusste, wie lange wir noch bis zum Parkplatz an der Talstation benötigen würden, reizte mich beim Abstieg das Bild der beiden alten Nebenkrater im Safranlicht des frühen Abends. Es gibt insgesamt etwa 140. Sichelförmig boten sich die früheren Ausflusskrater des Ätna unserem Blick und der Kamera des vulkaninteressierten Touristen dar, vor allem zusammen mit dem Foto des Ginsters als des ersten Lebens auf der Lava nach dem Erstarren. Ein optisch und geologisch unvergleichliches und unvergessliches Erlebnis!


Ich versuchte auch weiterhin, die zunehmenden Lebensformen beim Abstieg zu erfassen. Das weiche Licht des Abends bot sich an. Doch es drängte auch zur Eile.

Unser kleiner Fiat stand als letztes Auto auf dem riesigen Parkplatz. Und nach dem Abschalten der Klimaanlage am Hotel schlug die Atmosphäre des Mittelmeers gegen 20 Uhr voll ins Gesicht. Am Gipfel war es dagegen selbst mir schon etwas kalt.


Die Liparischen Inseln (ab 27.9.2000)

Auf nach Stromboli! Das Wetter sieht gut aus; die Informationen zum Linienbusverkehr wurden eingeholt. Wir wollen bereits 7.00 Uhr frühstücken, es wird jedoch später. Dadurch ist der Bus des städtischen Nahverkehrs weg. Karin möchte nicht mit dem nächsten fahren, obwohl er planmäßig den Anschluss schaffen sollte. Wir gehen also zu Fuß zur Haltestelle für Überlandbusse an der Kirche S. Giovanni. Dort macht sich zuerst Langeweile breit - wir sind natürlich viel zu früh da -, dann aber Nervosität. Vom Interbus Etna 8:50 Uhr ist auch um 9 Uhr nichts zu sehen. Irgendwann in der nächsten Viertelstunde kommt er und begibt sich zügig auf die Autobahn nach Messina. Diese besteht nach Taormina auf der halben Strecke aus Tunnelröhren, die vom Blick in tief eingeschnittene Schluchten unterbrochen werden. Exzentrische Landschaften nach deutschen Schablonen! Alle Busse auf Sizilien verfügen zum Glück über Air Condition; man würde sonst meist wegfließen. So auch in Messina, vor allem, wenn man dort die Abfahrstationen sucht. Man sollte sich eine halbe Stunde Distanz freihalten! Die Fahrt nach Milazzo ist landschaftlich sehr reizvoll: das Meer rechts und beachtliche Gebirge links.

Im Hafen nehmen wir an der kleinen Taverne einen kräftigen Imbiss und gehen an Bord des Schnellbootes. Die Karten sind vorher im Büro zu lösen! Italiener gestikulieren zwar gern und laut, sind aber viel toleranter als preußische Beamte. Schwitzend erreiche ich als Letzter die Gangway. Es empfiehlt sich ein guter Platz auf dem Achterdeck. Unter Deck ist die Luft ohnehin zu schlecht. Das Boot entwickelt auf freier See etwa 50 bis 60 km/h!

Der Motorenlärm ist entsprechend hoch. Wir laufen erst Vulcano, die Filminsel, dann die Hauptinsel Lipari an. Auf Vulcano können wir noch von Bord aus die Rauchfahnen der vulkanischen Quellen sehen. Danach ist ein 60 m hoher Vulkanpfropf zu entdecken.

Traumhafte Landschaften! Sicher auch einen Aufenthalt wert, um die berühmte Fangopackung zu genießen. Es folgen Salina und danach Panarea, die kleinste und mondänste Insel. Dort besitzen reiche Römer ein Wochenendhaus. Sonst gibt es nichts. Es geht weiter nach Stromboli.


Stromboli als Insel hat nur zwei Ortschaften. Zu Beginn wird Ginostra angelaufen.

Wer hier aussteigen will, begibt sich zum Heck der Fähre und springt nach der Gepäckübergabe in ein herausgefahrenes Boot, das hier gerade zurückfährt. Es gibt keinen Hafen, keine Mole. Strómboli ist der Hauptort mit Mole und kleinem Hafen. Bei stärkerem Seegang legt die Fähre aber auch mal nicht an und fährt ihre Passagiere zurück. Ein kleines Risiko bleibt also immer.

Wir nahmen gleich am Hafen ein Zimmer für die Nacht, was nicht unbedingt zu empfehlen ist. Der Vorteil: ein Bad nach dem Vulkanstaub der Nacht. Der Nachteil: fraglicher Komfort beginnender Vermieter zu hohem Preis. Der Aufstieg auf den Stromboli beginnt wegen der Temperatur am späten Nachmittag und weit im Westen der Ortschaft. ‚Bergführer' empfehlen sich höchstens wegen der Ortskunde, nicht wegen der Sicherheit. Sie schleppen dann notfalls im wahrsten Sinne dieses Wortes bis zu 25 Touristen für 40 DM pro Person hoch. Wir fanden einen frustrierten Touristen, der in die Büsche musste, ohne Taschenlampe einfach zurück blieb und nachts von seinem ‚Führer' nicht einmal vermisst wurde. Business ist wohl das Letzte, was in den Bergen wirklich gebraucht wird.

Den Sonnenuntergang genießt man auf der Westseite in absoluter Vollkommenheit. Teleobjektiv nicht vergessen!

Vorher kommt der Strombolicchio gut ins Bild, das Inselchen. Man kann es mit einem Motorboot anfahren und per Strickleiter etc. besteigen. Uns fehlte die Zeit dafür.


Eine Stunde später markieren sich nicht nur die Rauchsäulen der Eruptionen, die gleichmäßig im Zehn-Minuten-Takt erfolgen, sondern auch ihre rotglühenden Ursprünge immer deutlicher.


Das große Schauspiel beginnt, das viele bis zum Morgen auf der höchsten Erhebung festhält. Sie steigen dann am Morgen zu ihrer Fähre ab. Eine große Gefahr besteht angesichts der regelmäßigen Ausbrüche prinzipiell nicht, auch wenn 2001 eine Berlinerin erschlagen wurde und 2000 ein Berliner dort sich das Leben nahm. Man kann sich den Kratern problemlos nähern.

Wir schliefen früher. Als sich am Vormittag unser ‚Hotelier' nicht sehen ließ, die Fähre drängte und die Maurer im Untergeschoss seinen Aufenthalt nicht wussten, entnahm ich seinem Pult meinen Pass und hinterließ ein nach meinen Vorstellungen gekürztes Salär. Man muss ja nicht übertreiben.

Ich denke, die Liparischen Inseln und insbesondere den Stromboli sind als untrennbarer Bestandteil des mediterranen Feuergürtels um den Ätna zu verstehen. Für die Schönheit des Stromboli füge ich hier noch eine Werbeaufnahme ein, die trotzdem unserer Sensibilität entspricht.

Für weiteres bin ich unter Fax (030) 56 29 78 89 oder dieschnei@01029freenet.de erreichbar.

Karin und Dieter Schneider